Selbstverständnis des Bildungswerks für Schülervertretung und Schülerbeteiligung e.V.

Das SV-Bildungswerk möchte Schülerinnen und Schüler dabei unterstützen, ihre Schule zu einer demokratischen Schule zu machen. Eine Schule, die demokratiepädagogisch arbeitet, schafft neue Lerngelegenheiten und eine Kultur der Beteiligung und Anerkennung. Natürlich müssen dabei auch die Lehrerinnen und Lehrer als wichtige Gestalterinnen und Gestalter mit ins Boot geholt werden. Das SV-Bildungswerk richtet sich jedoch zuerst an die Schülerinnen und Schüler: Schülerinnen und Schüler von Betroffenen zu Beteiligten zu machen ist ein wichtiger Paradigmenwechsel und eine große Herausforderung für die deutsche Schule. Deshalb sieht das SV-Bildungswerk Schülerinnen und Schüler als direkte und wichtigste Zielgruppe. Darüber hinaus gibt es für Lehrerinnen und Lehrer bereits verschiedene Unterstützungsangebote und demokratiepädagogische Fortbildungen, das SV-Bildungswerk schafft neue innovative Lerngelegenheiten für Schülerinnen und Schüler. Das SV-Bildungswerk schafft verschiedene Bildungsangebote, unter anderem SV-Beraterseminare, die an der Schule direkt vor Ort stattfinden. Dabei versucht es, die eigenen Ziele selbst zu leben, indem die Seminare stärken-, beteiligungs- und erfahrungsorientiert und mit dem Peer-Prinzip auf Augenhöhe gestaltet sind. Die Seminare werden selbst von jungen Menschen moderiert, so dass diese als Expertinnen und Experten in eigener Sache gemeinsam mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Probleme herausarbeiten, diskutieren, Lösungen suchen und Ideen entwickeln können.

1. Ansichten

1.1. Demokratiepädagogische Schulentwicklung und Transformation des Bildungssystems als Ziel

Die Bedürfnisse, Meinungen, Interessen, Gefühle und Ideen von Schülerinnen und Schülern werden im deutschen Schulsystem nur selten beachtet. Die Folgen sind unter anderem mangelnde Motivation zum Lernen, ein schlechtes Verhältnis zwischen Lernenden und Lehrenden, insgesamt eine unangenehme Atmosphäre in der Schule. Dem entgegen stellt das SV-Bildungswerk die Vision einer demokratischen Schule: Dort werden Schülerinnen und Schüler in alle Entscheidungsprozesse – von Fragen der Schulorganisation bis hin zur Unterrichtsgestaltung – gleichwertig und gleichberechtigt in geeigneter Weise einbezogen. In einer demokratischen Schule sind Lehrerinnen und Lehrer, Eltern, Schülerinnen und Schüler, andere pädagogische Kräfte und das sonstige Personal nicht mehr nur Betroffene, sondern werden zu Beteiligten: Sie alle werden in die Weiterentwicklung ihrer Schule einbezogen und können in diesem Prozess für ein gemeinsames Ergebnis Verantwortung übernehmen. Auf den Unterricht bezogen bedeutet dies, dass Schülerinnen und Schüler ihr eigenes Lernen selbst gestalten können. Es ist Aufgabe der Schule, Schülerinnen und Schülern die hierfür nötigen Kompetenzen zu vermitteln und sie hierbei zu unterstützen und zu begleiten. Die Zielsetzung, die Wahl der Methoden und auch die Auswahl der Inhalte sollte Gegenstand der Diskussion in einer Klasse sein. Gleichzeitig werden in einer demokratischen Schule auch die Inhalte des schulischen Lernens selbst neu zu definiert: Förderung von sozialer Initiative und Übernahme von Verantwortung in Projekten in und außerhalb des Unterrichts und in und außerhalb der Schule, sollte zum festen Bestandteil der pädagogischen Arbeit werden. Verbunden werden muss dies mit einer neuen Kultur der Anerkennung. So sollen die Schülerinnen und Schüler stärkenorientiert in ihrer Selbstwirksamkeitsüberzeugung unterstützt werden. Wichtigstes Kennzeichen einer demokratischen Schule ist, dass Konflikte gewaltfrei und kompromissorientiert zwischen den Beteiligten, unter Berücksichtigung von und mit Respekt vor den unterschiedlichen Interessen, Erwartungen, Selbst-Konzepten und Bedürfnissen, geklärt werden. Eine besondere Rolle nimmt für diesen Aspekt die Steuerungsebene ein, deren Aufgabe es ist, einen solchen Umgang vorzuleben. Neben diesen Gestaltungselementen demokratischer Schule, die auf den individuellen Erwerb demokratischer Handlungskompetenz ausgerichtet sind, gibt es jedoch auch strukturelle Kennzeichen, die untrennbar mit dem Ziel einer demokratischen Schule zusammen hängen: Zum einen ist dies die Errungenschaft, dass das Schulwesen als Ganzes unter staatlicher Aufsicht organisiert und damit demokratisch kontrolliert wird. Auch wenn dieses System gewiss an der ein oder anderen Stelle reformbedürftig ist, kann eine Privatisierung von Schule und Entstaatlichung von Schulaufsicht nicht mit dem Ziel einer demokratischen Schule in Einklang gebracht werden. Zum anderen ist dies die Notwendigkeit eines demokratischen Zugangs zu Bildungseinrichtungen, einer gerechten Verteilung von Zertifikaten und Abschlüssen und des Verhinderns perspektivloser Bildungsbiographien. Ein demokratisches Schulsystem muss sich an dem Primat der Chancengleichheit orientieren und darf Schülerinnen und Schüler weder beschämen noch ungleichwertig behandeln. Für die demokratische Gestaltung der Schule gibt es neben dem grundsätzlichen und bspw. in den UN-Kinderrechtskonventionen verankertem Recht junger Menschen auf Mitbestimmung in den sie betreffenden Angelegenheiten eine Vielzahl von Gründen: Angefangen mit der Steigerung der Qualität und der Akzeptanz schulischer Bildungsangebote und der Verbesserung des Schulklimas, über die Vermittlung wichtiger sozialer Kompetenzen wie Kommunikations-, Verhandlungs-, Aushandlungs- und Selbstreflexionsfähigkeiten und der Bildung demokratischer Handlungskompetenz bis hin zur Prävention extremistischer, insbesondere rechtsextremistischer und gewalttätiger Einstellungen, zur Linderung von Politik- und Demokratieverdrossenheit und zur Stärkung der gesellschaftlichen Akzeptanz von Demokratie als Staatsform. Demokratieerziehung ist ein Leitprinzip fast aller Schulgesetze und dennoch wird Demokratie in der Schule zwar theoretisch vermittelt und gelernt, aber selten gelebt. Dies zu ändern ist Ziel des SV-Bildungswerks.

1.2. Stärkenorientierte Pädagogik mit Peer-Prinzip als Ansatz

In einer demokratischen Schule hält auch eine neue Lernkultur Einzug: Schülerinnen und Schüler werden einbezogen, wenn es um die Auswahl der Inhalte und Methoden geht. Ihnen wird durch individualisierte Lerngelegenheiten ermöglicht, einen eigenen Zugang zu wählen und ihren Aneignungsprozess für Wissen und Kompetenzen selbstständig, unterstützt und begleitet durch Pädagoginnen und Pädagogen, zu gestalten. Eine besondere Bedeutung erhält das Lernen dann, wenn es die Möglichkeit gibt, sich nicht nur in der trockenen Theorie und an ausgedachten Problemstellungen mit Themen zu beschäftigen, sondern diese anhand wirklich vorhandener Herausforderungen durch eigenes Handeln und eigene als sinnvoll empfundene Erfahrungen zu begreifen. Beim Lernen in einer demokratischen Schule werden bereits vorhandene Stärken anerkannt und wird gemeinsam an noch vorhandenen Schwierigkeiten und Problemen gearbeitet. Anstrengung, Leistungsbereitschaft und Einsatz für Andere werden von allen Beteiligten gewürdigt. Deutlich wird dies bspw. in öffentlichen Präsentationen der Lernergebnisse und der in einem Projektprozess entstandenen Produkte. Ziel ist eine Kultur der gegenseitigen Anerkennung und Wertschätzung. Diese stärkenorientierte Pädagogik verbessert das Lernklima, das Selbstwertgefühl, die Selbstwirksamkeitsüberzeugung und schließlich auch die Kompetenzen und die Wissens- und Erfahrungshorizonte der Schülerinnen und Schüler, aber auch der Pädagoginnen und Pädagogen nachhaltig. Das SV-Bildungswerk versucht, diese stärkenorientierte Pädagogik in der eigenen Bildungsarbeit konsequent umzusetzen. Deutlich wird dies bei einem Seminar unter anderem durch die Freiwilligkeit in der Teilnahme, durch die gemeinsame Verabredung von Regeln zum Umgang untereinander und die Klärung eines Erwartungshorizonts, was gelernt werden soll, durch die ständige Möglichkeit, Rückfragen zu stellen und ggf. auch, nach einer Diskussion unter allen Teilnehmenden, den Ablaufplan kurzfristig zu ändern, durch eine Einbeziehung aller Teilnehmenden mittels Einsatzes unterschiedlicher beteiligungsorientierter Methoden, durch eine starke produkt- bzw. projektbezogene Ausrichtung mit vielen Einzel- und Gruppenarbeitsphasen und schließlich durch das Einholen von Feedback am Schluss, das wiederum in die Planung der nächsten Seminare einbezogen wird. Darüber hinaus versucht das SV-Bildungswerk auf allen Ebenen mit dem Peer-Prinzip zu arbeiten. Dies geschieht in der Überzeugung, dass Personen, die eine Situation oder ein Problem aus der gleichen Perspektive betrachten, sich gegenseitig positiv unterstützen können. Durch Peer-Education oder auch Peer-Counceling, also die Weitergabe von Wissen, das Trainieren von Kompetenzen und die Beratung zwischen Peers, also im Fall des SV-Bildungswerks gleichaltrigen Jugendlichen, werden verschiedene Ziele erreicht: Erstens können Lehrende, die eine Situation oder ein Problem aus eigener Perspektive kennen, dieses sehr gut als Expertinnen und Experten in eigener Sache anschaulich darstellen und ihr Wissen und ihre Lösungsstrategien weitergeben. Zweitens ist es – vor allem aufgrund der relativ geringen (Alters-)Distanz zwischen Lehrenden und Lernenden – der Gruppe möglich, ihre eigene Autonomie aufrecht zu erhalten, etwaige Differenzen untereinander zu klären und ohne „aufpassende Person“ von außen gemeinsam Wissen und Kompetenzen zu erwerben, Ideen zu entwickeln und Projekte anzustoßen. Dies stärkt auch die Verantwortungsübernahme für die Umsetzung des gemeinsamen Ergebnisses oder die Weiterführung des gemeinsamen Prozesses innerhalb der Gruppe. Drittens ist das Lernen dabei im positiven Sinne weniger didaktisiert, sondern basiert auf der gegenseitigen Übernahme von Denkstrategien und Problemlösungsfertigkeiten, wobei die Gleichaltrigen als role models agieren. Das liegt auch an der großen Glaubwürdigkeit, die Peer-Trainerinnen und Peer-Trainer mitbringen. Diese drei Vorteile des Peer-Prinzips zeigen vor allem die positive Auswirkung auf den Lernprozess durch das Verhältnis zwischen Lernenden und Lehrenden auf Augenhöhe. Die Peer-Trainerinnen und Peer-Trainern profitieren für ihre eigene Lernbiographie aber genauso – die Lernerfolge, Kompetenzerweiterungen und Selbstwirksamkeitsstärkung dieser sind vor allem deshalb so hoch, da sie meist nachhaltig in Netzwerke eingebunden sind. Und auch auf die Schule und die professionellen pädagogischen Kräfte in der Schule hat der Ansatz des Peer-Lernens positive Auswirkungen: Schule ist in der Regel stark formalisiert, das Verhältnis zwischen Lehrenden und Lernenden meist hierarchisch strukturiert. Dies bringt es mit sich, dass es zum einen wenige Freiräume gibt, die Schülerinnen und Schüler selbstorganisiert nutzen können und dass es schwierig ist für Schülerinnen und Schüler, sich – zumindest zeitweise – von der „Schüler-Rolle“ zu emanzipieren. Seminare an der Schule, die mit Peer-Prinzip auf Augenhöhe und stärkeorientiert gestaltet sind, können hier nicht nur willkommene Abwechslung, sondern – eine richtig abgestimmte Vor- und Nachbereitung vorausgesetzt – auch Anlass zum Überdenken von hergebrachten Lerngelegenheiten sein. Und auch die Schülervertretung oder eine Schülergruppe selbst kann so – mit oder ohne Lehrkraft, durch den Einsatz von beteiligungs- und erfahrungsorientierten Methoden zur Keimzelle einer neuen Lernkultur werden.

2. Einblicke

Vor diesem Hintergrund und für diese Ziele engagieren sich die Aktiven im SVBildungswerk. Die Gesamtorganisation besteht aus drei Säulen: Dem SVBeraternetzwerk, der Geschäftsstelle und dem Verein.

2.1. Das SV-Beraternetzwerk

SV-Beraterinnen und SV-Berater sind junge Menschen, die sich als Fortbildnerinnen und Fortbildner für eine Stärkung der Schülerbeteiligung einsetzen. Sie machen Seminare an einzelnen Schulen und moderieren Workshops, sie beraten Schülervertretungen und Lehrkräfte und trainieren andere Multiplikatorinnen und Multiplikatoren. Die SV-Beraterinnen und SV-Berater sind der Kern des SVBildungswerks, gleichzeitig aber auch dessen wichtigste Vertreterinnen und Vertreter: Sie sind Expertinnen und Experten in eigener Sache - sie verändern Schule! Das SV-Bildungswerk bildet Schülerinnen und Schüler zu SV-Beraterinnen und SVBeratern aus und koordiniert deren Zusammenarbeit im SV-Beraternetzwerk. Darüber hinaus vermittelt die Geschäftsstelle des SV-Bildungswerks Seminaranfragen von Schulen und anderen Organisatoren. Für die hohe Qualität der pädagogischen Arbeit sind allerdings die SV-Beraterinnen und SV-Berater, die für jede Seminar einen Moderationsplan entwickeln und die Absprachen mit den Beteiligten vor Ort treffen, selbst verantwortlich. Die Geschäftsstelle des SV-Bildungswerks wirkt hier im Hintergrund, unterstützt bei der Vor- und Nachbereitung eines Seminars und schafft einen kontinuierlichen Austausch zwischen den SV-Beraterinnen und SV-Berater und regelmäßige Gelegenheiten zur Weiterbildung. Denn auch im SV-Beraternetzwerk wird das Peer-Prinzip groß geschrieben: Erfahrenere SV-Beraterinnen und SV-Berater übernehmen Trainings, auf Treffen der SV-Beraterinnen und SV-Berater wird viel Wert auf gegenseitige kollegiale Beratung gelegt und auch bei den SV-Beraterseminaren selbst sollen sich nach Möglichkeit jüngere und ältere SV-Beraterinnen und SV-Berater gegenseitig unterstützen. SV-Beraterinnen und SV-Berater können junge Menschen werden, die über Erfahrung im Engagement für die Schülervertretung oder in Prozessen der Schülerbeteiligung verfügen, diese an andere Schülerinnen und Schüler weiter geben wollen und Lust darauf haben, spannende Erfahrungen als Moderatorinnen und Moderatoren zu sammeln und so mit dazu beizutragen, Schule zu verändern. Es gibt verschiedene Stufen, auf denen sich jungen Menschen als SV-Beraterinnen und SV-Berater für das SV-Bildungswerk engagieren können. Das SV-Bildungswerk bietet jeweils Ausbildungen, Austauschmöglichkeiten und weitere Unterstützungsangebote an, um Verantwortungsübernahme zu ermöglichen. Durch vielfältige Weiterbildungsmöglichkeiten und durch unterschiedliche Aufgaben und Herausforderungen soll gewährleistet werden, dass SV-Beraterinnen und SV-Berater über einen langen Zeitraum im SV-Bildungswerk engagiert bleiben können. Auch nach ihrer aktiven Zeit können sich die SV-Beraterinnen und SV-Berater als Ehemalige einbringen – so ensteht ein Alumni-Netzwerk, von dem die aktiven SV-Beraterinnen und SV-Berater Unterstützung erhalten und von dem die Ehemaligen genauso wie die Organisation profitieren können. SV-Moderatorinnen und SV-Moderatoren: Schwerpunkte der ersten SVBeraterausbildung sind Moderation, Präsentation, Rhetorik, Projektmanagement sowie eine Reihe inhaltlicher Einblicke in Schule und Schülervertretungsstrukturen. Schülerinnen und Schüler, die über Erfahrung in Schülervertretung und Schülerbeteiligung verfügen, können daran teilnehmen und anschließend durch die Moderation von SV-Beraterseminaren praktische Erfahrungen in der Bildungsarbeit sammeln und eine Stärkung der Schülerbeteiligung an einer Vielzahl an Schulen bewirken. Die Ausbildung umfasst in der Regel sechs Seminartage und kann auf mehrere Termine verteilt stattfinden. Wichtiger als die Ausbildung vor Beginn der Tätigkeit ist jedoch die kontinuierliche Weiterbildung, der regelmäßige Austausch und langfristige Unterstützung. SV-Beraterinnen und SV-Berater: Junge Menschen, die bereits über einen großen Erfahrungsschatz in der Moderation von SV-Beraterseminaren verfügen, können sich neben einer Vielzahl an anderen vertiefenden Weiterbildungsseminaren in einer zweiten Ausbildung gezielt mit den Themen Beratung, Coaching und langfristige Unterstützung von Schülerbeteiligung an Schulentwicklungsprozessen beschäftigen. Zielgruppe deren Bildungsarbeit sind nicht nur Schülerinnen und Schüler, sondern explizit auch Lehrkräfte und andere an Schule beteiligten Akteure, wobei sie hierauf durch die Ausbildung in besonderer Weise vorbereitet und bei ihrer Tätigkeit von erfahrenen SV-Beraterinnen und SV-Beratern und der Geschäftsstelle unterstützt werden. SV-Trainerinnen und SV-Trainer: Junge Menschen, die bereits über einen großen Erfahrungsschatz in der Moderation von SV-Beraterseminaren verfügen, können als ausgebildete SV-Trainerinnen und SV-Trainer selbst zur Ausweitung des SVBeraternetzwerks einbringen, indem sie die SV-Beraterausbildungen für neue SVModeratorinnen und SV-Moderatoren durchführen. Die SV-Trainerausbildung, zu der sich SV-Beraterinnen und SV-Berater bewerben können, bereitet auf diese Aufgabe vor. Darüber hinaus sind die SV-Trainerinnen und SV-Trainer in einem eigenen Netzwerk zusammengeschlossen und unterstützen sich bei der Durchführung der Ausbildungen gegenseitig. SV-Berateralumni: Aber auch ehemalige SV-Beraterinnen und SV-Berater, die sich bewusst dazu entscheiden, mit der direkten pädagogischen Arbeit aufzuhören, sollen für sich – wenn sie dies wünschen – weiterhin einen Platz im SV-Bildungswerk finde: Als SV-Berateralumnis. Erklärtes Ziel des SV-Bildungswerks ist es, SV-Beraterinnen und SV-Berater auch über ihr aktives Engagement hinaus in ihren eigenen Lernbiographien zu unterstützen, ihnen Kontakte zu vermitteln oder bei anderen Aktivitäten zur Seite zu stehen. Die wichtigste Unterstützung kommt aber natürlich von den anderen SV-Berateralumnis. Und nicht zuletzt können die ehemaligen SVBeraterinnen und SV-Berater durch die Mitwirkung in dem Netzwerk und ihre lose Einbindung ins SV-Bildungswerk aktive SV-Beraterinnen und SV-Berater in ihrem Engagement zur Seite stehen. Alle SV-Beraterinnen und SV-Berater, egal ob sie am Anfang oder am Ende ihrer Tätigkeit oder ob sie sehr intensiv oder nur lose engagiert sind, eint, dass sie die wichtigsten, wirkungsmächtigsten und glaubwürdigsten Repräsentantinnen und Repräsentanten des SV-Bildungswerks sind. Deshalb ist es auch wichtig, dass sie sich mit den Zielen des SV-Bildungswerks identifizieren können und loyal gegenüber und solidarisch mit dem SV-Beraternetzwerk und der Gesamtorganisation sind. SVBeraterinnen und SV-Berater sind aktive Mitglieder im SV-Bildungswerk und haben deshalb die Möglichkeit, die Ausrichtung, die Ansätze und die praktische Arbeit mitzugestalten. Eine Beendigung der Mitgliedschaft und der SV-Beratertätigkeit ist natürlich jederzeit möglich. Während es für die erste Stufe der SV-Beratertätigkeit, also für die SVModeratorinnen und SV-Moderatoren, Voraussetzung ist, selbst noch die Schule zu besuchen, bieten die übrigen auch für junge Menschen, die nicht mehr die Schule besuchen, die Möglichkeit, sich für eine Stärkung von Schülerbeteiligung zu engagieren.

2.2. Die Geschäftsstelle

Es ist die Aufgabe der Geschäftsstelle des SV-Bildungswerks, das Engagement der SVBeraterinnen und SV-Berater zur Stärkung von Schülerbeteiligung zu unterstützen, indem die konzeptionelle Entwicklung angeschoben, Ressourcen eingeworben, bereit gestellt und verwaltet werden. Die Personen in der Geschäftsstelle unterstützen die Entwicklung des pädagogischen und schulreformerischen Selbstverständnisses und koordinieren das SV-Beraternetzwerk; sie sind verantwortlich für das Projektmanagement und die Qualitätssicherung der Bildungsarbeit – vom SVBeraterseminar an der einzelnen Schule, über die SV-Beraterausbildung bis hin zu großen Veranstaltungen. Das heißt, dass aus der Geschäftsstelle heraus die Absprachen und die Kooperation mit Auftraggebern oder Veranstaltern, bspw. der Schule, an der ein SV-Beraterseminar stattfindet und Auftragnehmern oder Ehrenamtlichen, bspw. dem SV-Berater und der SV-Beraterin, die ein Seminar moderieren, koordiniert werden. Dies ist Grundlage dafür, dass eine Überprüfung der Wirksamkeit eines einzelnen Seminars und dadurch die Weiterentwicklung der pädagogischen Arbeit des SV-Bildungswerks insgesamt möglich werden. Darüber hinaus sind die Personen in der Geschäftsstelle für die Öffentlichkeitsarbeit und Bewerbung der Angebote des SV-Bildungswerks, sowie für die Sicherstellung der internen Kommunikation im gesamten Netzwerk verantwortlich. Die Aufgaben der Geschäftsstelle werden von einem Leitungsteam mit den Bereichen "Qualifizierung und pädagogische Arbeit" und "Veranstaltungen, Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit" getragen und von einer "Strategischen Geschäftsführung" gesteuert. Aufgabe der Bereichsleitung "Qualifizierung und pädagogische Arbeit" ist es, die Aktivitäten und Strategien in diesem Bereich weiter zu entwickeln, Qualitätsstandards zu erarbeiten und deren Einhaltung zu überprüfen, vorhandenes Wissen und Erfahrungen aufzubereiten und die Projekte und Aktivitäten, die in diesem Bereich zu verorten sind, zu organisieren. Aufgabe der Bereichsleitung "Veranstaltungen, Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit" ist es, die Außendarstellung des SV-Bildungswerks genauso wie die Kommunikation nach innen voran zu bringen, bspw. durch die Betreuung der Internetseiten oder der Newsletter, neue Veranstaltungsdesigns zu entwickeln, die Vernetzung der SV-Beraterinnen und SV-Berater zu stärken und die Projekte und Aktivitäten, die in diesem Bereich einzuordnen sind, zu organisieren. Aufgabe der Strategischen Geschäftsführung ist dabei in erster Linie, die vorhandenen Ressourcen zu verwalten und verteilen, neue Ressourcen einzuwerben, die strategische Ausrichtung in Einzelaktivitäten und für die Gesamtorganisation zu überprüfen und weiterzuentwickeln, Personalentwicklung für die Gesamtorganisation zu betreiben und nicht zuletzt inhaltlich voran zu denken und bereits bewährte wie neue Partner zu betreuen. Die Strategische Geschäftsführung, die beiden Bereichsleitungen und der Vorstand des Vereins bilden gemeinsam das Leitungsteam der Geschäftsstelle. Darüber hinaus gibt es noch weitere Personen, die an der Umsetzung der Projekte und Aktivitäten beteiligt sind. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die jeweils einem der Bereiche zugeordnet sind oder Honorarkräfte, die jeweils projektbezogen für das SVBildungswerk tätig sind. Insbesondere sind hier die Freiwilligendienstleistenden zu nennen, die als junge Menschen einen enormen Beitrag zur Innovation und zur Qualitätssteigerung leisten. Und nicht zuletzt werden auch die SV-Beraterinnen und SV-Berater und damit die Mitglieder des SV-Bildungswerks an der Entwicklung der Projekte und Aktivitäten beteiligt und in die die Umsetzung einbezogen. Die Angestellten müssen eine hohe Identifikation mit den Zielen des SVBildungswerks mitbringen und bereit sein, mit viel Kreativität, einem hohen Idealismus und großer Eigenverantwortung innovative Ansätze und Strategien zur Stärkung von Schülerbeteiligung zu entwickeln und umzusetzen. Die Kompetenzen hierzu lassen sich schlecht in Schul- oder Uni-Zeugnissen ablesen, wichtiger ist die mitgebrachte und gesammelte Erfahrung und das Engagement. Bei der Einstellung ist Jugendlichkeit kein Kriterium, dafür aber umso mehr, sich in die Perspektive von jungen Menschen hinein zu versetzen und mit jungen Menschen auf Augenhöhe sprechen zu können. Denn was für alle SV-Beraterinnen und SV-Berater gilt, ist gleichermaßen für die Angestellte des SV-Bildungswerks wichtig: Im eigenen Auftreten überzeugende Vertreterinnen und Vertreter der Ziele und des Ansatzes des SV-Bildungswerks zu sein. Aus diesem Grund, vor allem jedoch in dem Bewusstsein, dass nur so der Raum für Innovation und Weiterentwicklung geschaffen werden kann, wird in der Geschäftsstelle des SV-Bildungswerks viel Wert auf beteiligungsorientierte Entscheidungsprozesse gelegt – neben den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sollen nach Möglichkeit immer auch SV-Beraterinnen und SV-Berater und Mitglieder in Entscheidungsprozesse einbezogen werden. Gleichzeitig gibt es jedoch eine klar abgesprochene Verantwortungshierarchie und Aufgabenverteilung. Zum einen ergibt sich diese aus der Gliederung in die drei Bereiche "Strategie und Ressourcen", "Qualifikation und pädagogische Arbeit" und "Veranstaltungen, Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit". Zum anderen durch die Organisation der unterschiedlichen Aktivitäten in Maßnahmenbündel und Projektform. Ein Projekt wird dabei gekennzeichnet durch eine zeitliche Begrenzung, im Vorhinein festgelegte Ziele und einen abgesteckten Rahmen an Ressourcen. Die Leitung eines Projekts, bspw. einem SV-Beraterseminar an einer einzelnen Schule, wird von einem Mitarbeiter bzw. einer Mitarbeiterin aus der Geschäftsstelle des SV-Bildungswerks übernommen. Nach einer Klärung der Modalitäten, bspw. was sind die Erwartungen der Schule, welches Budget steht für das Seminar zur Verfügung, welche Ziele können und sollen erreicht oder welche Synergien können erschlossen werden geht der bzw. die Verantwortliche daran, den konkreten Projektverlauf zu planen. In diesem Beispielfall bedeutet das, ein oder zwei SV-Beraterinnen und SV-Berater für die Moderation des Seminars anzufragen, gemeinsam einen Termin festzulegen, die weiteren Absprachen mit der Schule für die Vorbereitung zu koordinieren und die Vereinbarungen zur Dokumentation und Nachbereitung zu treffen. Im Anschluss an die Durchführung eines Seminars ist es auch die Aufgabe des bzw. der Verantwortlichen aus der Geschäftsstelle, die Wirkung und das Erreichen bzw. Verfehlen der zuvor festgelegten Ziele zu überprüfen. Die hohe Bedeutung der internen Evaluation bei den Aktivitäten der Geschäftsstelle des SV-Bildungswerks ist eine wichtige Grundlage für die Steigerung der Innovationsfähigkeit.

2.3. Der Verein

Hinter dem SV-Beraternetzwerk und der Geschäftsstelle gleichermaßen steht ein als gemeinnützig anerkannter, eingetragener Verein, der von jungen Menschen gegründet wurde und geleitet wird. Die SV-Beraterinnen und SV-Berater, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Geschäftsstelle sowie weitere Personen und Organisationen drücken als Mitglieder des Verein ihre Identifikation mit den Zielen des Vereins – der Stärkung und Unterstützung von Schülerbeteiligung und Schülervertretung – aus. Der Verein ist mehr als eine Trägerstruktur und rechtlicher Rahmen für die Umsetzung der Projekte. Er ist Informations-, Austausch- und Innovationsplattform für Personen, die mit unterschiedlicher Perspektive und Herangehensweise Schülerbeteiligung und Schülervertretung unterstützen und die Projekte und Aktivitäten des SV-Bildungswerks mitgestalten möchten. Aufgabe des Vereins ist es, die mittel- und langfristigen Ziele festzusetzen und damit die Entwicklung der Gesamtorganisation und der einzelnen Projekte und Aktivitäten voran zu bringen. Dadurch, dass alle SV-Beraterinnen und SV-Berater Mitglied im Verein sein sollen, ist sichergestellt, dass die wichtigsten Repräsentantinnen und Repräsentanten auch in Entscheidungen, die sie betreffen, einbezogen werden. Der Verein, indem nur junge Menschen bis 27 Jahren stimmberechtigt sind, ist darüber hinaus der Garant dafür, dass das SV-Bildungswerk eine junge Organisation bleibt. Gleichzeitig erlangt das SV-Bildungswerk seine Legitimation aber nicht durch die Organisation möglichst vieler Mitglieder und die Vertretung der gemeinsamen Interessen, sondern in erster Linie durch überzeugende und wirkungsvolle Bildungsarbeit. Deshalb müssen sich die Entscheidungsstrukturen im Verein auf der einen Seite daran messen lassen, ob sie diese sinnvoll unterstützen können. Auf der anderen Seite folgt daraus und aus der projektbasierten Finanzierung der Aktivitäten, dass die Steuerung der Gesamtorganisation sehr komplex und die Entscheidungen sehr voraussetzungsvoll. Die Struktur der Mitgliedschaften im SVBildungswerk mit unterschiedlichen Rechten und Pflichten soll beidem Rechnung tragen. Erstens und am wichtigsten gibt es die aktiven Mitglieder im SV-Bildungswerk. Das sind alle SV-Beraterinnen und SV-Berater sowie andere junge Menschen, die sich gemeinsam mit anderen für die Erreichung der Vereinsziele engagieren möchten. Sie zahlen nur einen geringen symbolischen Mitgliedsbeitrag von zwei Euro im Monat – weit wichtiger als das ist aber ihr Engagement für die Sache, das sie bspw. durch die Moderation von Seminaren, die Verbreitung von Informationen zum SV-Bildungswerk oder die Mitgestaltung von Projekten des SV-Bildungswerks beweisen. Umgekehrt ist das SV-Bildungswerk vor allem zur Unterstützung ihrer Aktivitäten und ihres Engagements da. Aktive Mitglieder scheiden mit der Vollendung des 27. Lebensjahres aus dem Verein aus und können dessen Arbeit als fördernde Mitglieder weiter unterstützen. Zweitens gibt es die koordinierenden Mitglieder im SV-Bildungswerk. Das sind junge (oder auch ältere) Menschen, die Schülervertretung und Schülerbeteiligung unterstützen möchten und bereit sind, sich dafür überdurchschnittlich intensiv und kontinuierlich einzubringen. Ein hoher Mitgliedsbeitrag, den koordinierende Mitglieder zahlen, dient dabei als eine Art Einlage, die dem Verein einen größeren Handlungsspielraum ermöglichen und damit die Wirkungsmöglichkeiten der beteiligten Akteure erhöhen soll. Wichtiger als der Mitgliedsbeitrag ist aber auch bei der Gruppe der koordinierenden Mitglieder das Engagement für die Sache, das sich aber anders als bei den aktiven Mitgliedern stark die organisatorischen Prozesse im Hintergrund einbezieht. Koordinierende Mitglieder besitzen die umfangreichen vom Gesetz her Vereinsmitgliedern eingeräumten Rechte und Pflichten; von ihnen wird erwartet, sich intensiv mit allen anstehenden Entscheidungen auseinander zu setzen, vor allem wenn es sich um Beschlüsse handelt, die die finanziellen, materiellen oder personellen Ressourcen des SV-Bildungswerks betreffen. Die koordinierenden Mitglieder, aus deren Mitte auch der Vorstand gewählt wird, sind die Teilhaberinnen und Teilhaber des SV-Bildungswerks – dies bedeutet eine hohe Verantwortung für die Entwicklung der Gesamtorganisation. Natürlich sollen vor allem diejenigen koordinierende Mitglieder werden, die den Verein zuvor schon über längere Zeit als Aktive unterstützt haben. Die koordinierende Mitgliedschaft ist damit auch eine gute Möglichkeit für über einen längeren Zeitraum engagierte SV-Beraterinnen und SVBerater, die Arbeit des SV-Bildungswerks in einer anderen Rolle als neue Herausforderung zu unterstützen. Koordinierende Mitglieder verlieren mit der Vollendung des 27. Lebensjahres ihr Stimmrecht auf der koordinierenden Mitgliederversammlung. Und drittens gibt es sowohl Einzelpersonen als auch Organisationen als fördernde Mitglieder, die die Ziele des SV-Bildungswerks unterstützen möchten und dafür einen Förderbeitrag errichten, jedoch nicht mehr direkt zur Verwirklichung dieser aktiv werden. Sie wählen ihren Förderbeitrag selbst und tragen damit natürlich in erheblicher Weise zum Vorankommen der Gesamtorganisation bei. Über diesen Förderbeitrag hinaus ist natürlich auch eine inhaltliche Unterstützung durch die fördernden Mitglieder willkommen – wenn diese bspw. ihre Erfahrung als ehemalige Schülervertreterinnen oder Schülervertreter an jetzige engagierte Schülerinnen und Schüler weitergeben möchten. Natürlich besteht für fördernde Mitglieder hierfür keine Verpflichtung. Sie sind zur Gesamtmitgliederversammlung als Gäste eingeladen, können an Arbeitskreissitzungen teilnehmen und werden über Ergebnisse und aktuelle Entwicklungen informiert. Entscheidungsgremien des Vereins sind die koordinierende Mitgliederversammlung, die Gesamtmitgliederversammlung sowie Arbeitskreise zu verschiedenen, von den Mitgliedern benannten Themen. Die koordinierende Mitgliederversammlung ist das höchste beschlussfassende Gremium des Vereins. Sie tagt mindestens drei mal im Jahr, nach Möglichkeit jedoch alle acht Wochen. Eingeladen sind alle koordinierende Mitglieder, je nach Tagesordnung können Gäste, insbesondere die aktiven Mitglieder des Vereins, zusätzlich eingeladen werden. Neben den gesetzlichen und satzungsgemäßen Aufgaben ist die koordinierende Mitgliederversammlung vor allem der Ort, an dem die Entscheidungen über kurz- und mittelfristige Ziele und Strategien getroffen werden. Die Gesamtmitgliederversammlung ist die Versammlung aller Mitglieder des Vereins. Eingeladen sind aktive und koordinierende Mitglieder des Vereins, fördernde Mitglieder können als Gäste teilnehmen. Auf der Gesamtmitgliederversammlung werden alle mittel- und langfristigen Ziele und Strategien besprochen. Darüber hinaus gibt es Gelegenheit für einen Austausch zu allen laufenden Projekten und Aktivitäten. Die wichtigsten Arbeits-, Entwicklungs- und Entscheidungsgremien sind allerdings die Arbeitsgruppen, die von den Mitglieder selbst zu verschiedenen Themen einberufen werden können und die für sich selbst in Absprache mit der Geschäftsstelle Aufgaben und Arbeitsweise festsetzen. Von besonderer Bedeutung sind die beiden ständigen Arbeitsgruppen „Demokratiepädagogische Schulentwicklung und Transformation des Bildungssystems“ und „Pädagogisches Selbstverständnis – stärkeorientierte Pädagogik mit Peer-Prinzip“. Diese haben die Aufgabe, die Projekte und Aktivitäten des SV-Bildungswerks kritisch zu analysieren, reflektieren und weiter zu entwickeln. Sie sind damit Entwicklungsmotor für die Arbeit sowohl des SV-Beraternetzwerks als auch der Geschäftsstelle und tragen entscheidend zur Weiterentwicklung de SVBildungswerks als Gesamtorganisation und zur Innovationssteigerung bei. Neben diesen beiden Arbeitsgruppen können weitere für einen längeren oder auch befristeten Zeitraum von der Gesamtmitgliederversammlung, der koordinierenden Mitgliederversammlung, dem Vorstand oder der Geschäftsstelle einberufen werden. Sie sind in der Regel offen für alle aktiven und koordinierenden Mitglieder, fördernde Mitglieder können als Gäste teilnehmen. Neben der Vernetzung zur Bearbeitung bestimmter Fragestellungen und Themen dienen die Arbeitsgruppen im SVBildungswerk auch dafür, die Entwicklung der Aktivitäten und Projekte in einem Bundesland oder einer Region voran zu bringen – deshalb gibt es für jedes Bundesland, in denen es viele aktive Mitglieder gibt, eine eigene Arbeitsgruppe. Die Arbeitsgruppen tragen in besonderer Weise dazu bei, dass sich Personen mit unterschiedlichen Perspektiven an der Entwicklung der Projekte und Aktivitäten beteiligen können und unterstützen vor allem den Austausch zwischen aktiven und koordinierenden Mitgliedern.

3. Rücksichten

Das SV-Bildungswerk setzt sich hohe Ziele und misst die eigenen Aktivitäten und Projekte an einem hohen Qualitätsstandard. Trotzdem darf dabei nicht vergessen werden, dass die meisten und wichtigsten Akteurinnen und Akteuren im SVBildungswerk Schülerinnen und Schüler bzw. junge Menschen, die gerade erst die Schule verlassen haben, sind. Vor den eingangs formulierten Zielen und den ausgeführten Ansprüchen ist es deshalb vornehmste Aufgabe des SV-Bildungswerks, die eigenen Aktiven zu unterstützen: Durch Bildungsangebote, Anregungen, Tipps und Tricks, aber auch durch Beratung und Hilfe bei Problemen und im Zweifel auch durch einen Schutz vor zu hohen Erwartungen oder durch Bereinigung von Problemen. Das SV-Bildungswerk hat eine Verantwortung für sie und nimmt diese auch bewusst war. Alle Aktivitäten und Projekte werden mit dem Wissen, dass die SVBeraterinnen und SV-Berater keine professionellen Moderatorinnen und Moderatoren, sondern ehrenamtlich engagierte junge Menschen sind, geplant und durchgeführt. Diese Rücksichtnahme – bei gleichzeitiger Begegnung auf gleicher Augenhöhe – verlangt vor allem von den erfahreneren Akteurinnen und Akteuren im SV-Bildungswerk Einiges ab. Darüber hinaus ist es, bei aller notwendigen Formalisierung der Gesamtorganisation und Professionalisierung gerade der Bildungsarbeit, wichtig, dass das SVBildungswerk nicht unbemerkt jede Jugendlichkeit abstreift. Eine junge Organisation zu sein, die die formulierten Ziele, Ansprüche und Themen glaubhaft darstellen und auch selbst leben kann, ist ein hohes Gut, das das SV-Bildungswerk bewahren und sichern möchte. Deshalb ist es auch stärker Aufgabe der erfahreneren Akteurinnen und Akteure im SV-Bildungswerk, Räume zu schaffen, in denen junge Menschen Verantwortung übernehmen und Aktivitäten mitgestalten können, als selbst allem den eigenen Stempel aufzudrücken. Sicher gestellt werden soll dies vor allem auch durch die starke Stellung der koordinierenden Mitglieder, die ihr Stimmrecht mit 27 Jahren verlieren und die das SV-Bildungswerk mit ihren Erfahrungen und ihrer Perspektive prägen sollen. Schließlich versucht das SV-Bildungswerk, die eingangs formulierten Ziele und Ansprüche an die eigene Arbeit immer im Blick zu behalten, gegebenenfalls den Entwicklungen anzupassen, keinesfalls jedoch einfach auszublenden und Projekte um der Projekte willen umzusetzen. Eine Schlüsselrolle nehmen hierbei die beiden Arbeitsgruppen „Demokratiepädagogische Schulentwicklung“ und „Pädagogisches Selbstverständnis“ ein, die die Aktivitäten des SV-Bildungswerks immer kritisch begleiten sollen. Auch auf den koordinierenden und den Gesamtmitgliederversammlungen soll die Entwicklung des SV-Bildungswerks immer wieder diskutiert werden.

4. Ausblicke

In den nächsten Monaten und Jahren sind vor allem folgende Themen für die Entwicklung der Themen und Projekte des SV-Bildungswerks von zentraler Bedeutung:

4.1. Schülerbeteiligung in der Unterrichtsgestaltung, individuelle Förderung und selbstgesteuertes Lernen

Lernen ist der Kern von Schule. Schülerbeteiligung am Lernprozess einzufordern und zu verwirklichen ist deshalb unabdingbar, denn sonst besteht die Gefahr (so wie mancherorts bspw. die Schülervertretung angesehen wird), Schülerbeteiligung als nette Zugabe für den Nachmittag abzutun. Die Beteiligung der Schülerinnen und Schülern am Lernprozess ist aber auch deshalb wichtig und richtig, da sich dies positiv auf die Lernmotivation und damit auch auf die Schulatmosphäre und auf den Lernerfolg auswirkt. Das SV-Bildungswerk möchte dazu beitragen, dass Schülerbeteiligung stärker am Kern der Schule ansetzt und das Lernen in der Schule nachhaltig positiv verändert. Hierzu sieht es das SV-Bildungswerk als seine Aufgabe, in der eigenen Bildungsarbeit neue Lernformen zu verwirklichen, vor allem jedoch über das SV-Beraternetzwerk bekannt zu machen und an die Schulen zu tragen. Die Schülervertretung oder eine Schülergruppe einer Schule kann selbst Motor sein, um bspw. über Prozesse des Feedbacks oder der Etablierung von Arbeitsgruppen innovative Lernformen voran zu bringen. Hierbei können SV-Beraterinnen und SVBerater unterstützen.

4.2. Bildungsarmut und demokratische Handlungskompetenz

Bildungsarmut und demokratische Handlungskompetenz scheinen, deutlich wird dies bspw. an Statistiken zum ehrenamtlichen Engagement junger Menschen, negativ zu korrelieren. Der Mangel an demokratischer Handlungskompetenz ist allerdings selbst noch einmal ein starker benachteiligender Faktor. Dabei könnte die Vermittlung demokratischer Handlungskompetenz, die nicht gekoppelt ist an ein bestimmtes Alter oder an bestimmte kognitive Fähigkeiten, sondern abhängig von der Situation auf verschiedene Art und Weise gelernt und in unterschiedlichen Kontexten erfahren werden kann, bzw. das Erleben von Demokratie in der Schule zu einem positiv wirkenden Impuls werden, der auch die Aneignung anderer Selbstkompetenzen unterstützt. Das SV-Bildungswerk sieht seine Aufgabe darin, das Thema der Bildungsbenachteiligung auf der einen Seite im eigenen Netzwerk zu thematisieren und die eigenen Strukturen hierauf sensibel auszurichten. Ziel ist es, dass sich im SVBildungswerk auch junge Menschen engagieren können, die nicht über einen privilegierten Zugang zu Bildung verfügen. Auf der anderen Seite möchte das SVBildungswerk die eigenen Aktivitäten verstärkt darauf ausrichten, das Engagement junger Menschen an Schulen, die keinen direkten Zugang zum Abitur ermöglichen – also Hauptschulen, Mittelschulen, Regionalschulen, Realschulen, Förderschulen und Gesamtschulen ohne gymnasiale Oberstufe – in besonderer Weise zu fördern.

4.3. Beteiligungsorientierung als kulturelle Veränderung von Schule

Schulen, die auf Beteiligungsorientierung Wert legen, wissen, dass der Weg dorthin oft ein schwieriger ist: Strukturen müssen geändert, Entscheidungswege neu gefunden, Kommunikationsprozesse neu ausgehandelt werden, ab und an muss mit Traditionen gebrochen und der ein oder die andere muss auch auf gewohnte Entscheidungsfreiheiten verzichten. Kurz: Die Kultur der Schule muss geändert werden. Von der Methode des „change management“ wissen wir, wie schwierig der Prozess der Kulturveränderung in Unternehmen ist. Auf jeden Fall muss die Leitung dahinter stehen, den Prozess anstoßen und steuern. Aber auch die anderen Beteiligten müssen offen und bereit sein, ihre Ideen einzubringen, aber auch ihre Befürchtungen zu äußern. Das SV-Bildungswerk möchte dabei unterstützen, dass mehr Schulen den Weg gehen, die eigene Kultur hin zu einer stärkeren Beteiligungsorientierung zu ändern. In erster Linie möchte das SV-Bildungswerk dazu beitragen, Schülerinnen und Schüler bei diesem Prozess „mitzunehmen“ und einzubinden. In diesem Zusammenhang möchte das SV-Bildungswerk auch Lehrerinnen und Lehrern und Schulleitungen erreichen und sie dabei unterstützen, die Einbindung von Schülerinnen und Schülern dauerhaft und nachhaltig, eben als Bestandteil der Schulkultur, sicher zu stellen.

Das erste Selbstverständnis des SV-Bildungswerks wurde beschlossen am 9. April 2006 in Mannheim. Die Neufassung des Selbstverständnis wurde erstmals diskutiert auf der Mitgliederversammlung am 18. November 2007 in Berlin und beschlossen am 22. Juni 2008 in Hattingen. Die aktuelle Fassung fand die Zustimmung am 23. Dezember 2009 in Kassel

Zum Thema
  • Selbstverständnis des Bildungswerks für Schülervertretung und Schülerbeteiligung e.V.Das SV-Bildungswerk möchte Schülerinnen und Schüler dabei unterstützen, ihre Schule zu einer demokratischen Schule zu machen. Eine Schule, die demokratiepädagogisch arbeitet, schafft neue Lerngelegenheiten und eine Kultur der Beteiligung und Anerkennung. Natürlich müssen dabei auch die Lehrerinnen und Lehrer als wichtige Gestalterinnen und Gestalter mit ins Boot geholt werden. Das SV-Bildungswerk richtet sich jedoch zuerst an die Schülerinnen und Schüler: Schülerinnen und Schüler von Betroffenen zu Beteiligten zu machen ist ein wichtiger Paradigmenwechsel und eine große Herausforderung für die deutsche Schule. Deshalb sieht das SV-Bildungswerk Schülerinnen und Schüler als direkte und wichtigste Zielgruppe. Darüber hinaus gibt es für Lehrerinnen und Lehrer bereits verschiedene Unterstützungsangebote und demokratiepädagogische Fortbildungen, das SV-Bildungswerk schafft neue innovative Lerngelegenheiten für Schülerinnen und Schüler. Das SV-Bildungswerk schafft verschiedene Bildungsangebote, unter anderem SV-Beraterseminare, die an der Schule direkt vor Ort stattfinden. Dabei versucht es, die eigenen Ziele selbst zu leben, indem die Seminare stärken-, beteiligungs- und erfahrungsorientiert und mit dem Peer-Prinzip auf Augenhöhe gestaltet sind. Die Seminare werden selbst von jungen Menschen moderiert, so dass diese als Expertinnen und Experten in eigener Sache gemeinsam mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Probleme herausarbeiten, diskutieren, Lösungen suchen und Ideen entwickeln können. mehr »