"...und Du bist verzaubert!"

07.11.2008: Von Kobolden, engagierten SchülerInnen und anderen lustigen Gestalten
Prolog: Vom 16. bis 19. Oktober, donnerstags bis sonntags, fand in Uelzen, einer kleinen Stadt südöstlich von Hannover im Rahmen der Nachbereitung des Ganztagsschulkongress, mit freundlicher Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, eine Ausbildung von engagierten Schüler/innen zu SV-Berater/-innen statt.

1. Akt: Für Großstädter ist Uelzen ein Nest. Nicht einmal 50 000 Einwohner, keine Schlüsselindustrien (von der größten Zuckerraffinerie Deutschlands abgesehen), und auch anderweitig sticht Uelzen nicht sonderlich hervor. Gut aber ist, dass es für die TeilnehmerInnen dieser Ausbildung relativ zentral lag. So trafen frei nach dem Motto: "Viele Wege führen nach Uelzen" alle zukünftigen SV-BeraterInnen nach und nach am berühmten Hundertwasserbahnhof ein. Das Jugendgästehaus wartete mit zahlreichen Freizeitangeboten wie Kickern und Billard auf. Das Gelände der Jugendherberge war liebevoll gestaltet, neben dem Hauptgebäude lag ein malerischer Teich mit lauten Pumpengeräuschen und das Essen war tatsächlich hervorragend. Man kümmerte sich um eine abwechslungsreicehe vegetarische und sogar vegane Alternative. Am Donnerstagabend, nachdem ein Großteil der Auszubildenden angekommen war, gab es noch eine Kennenlernrunde und einen Kurzvortrag zum SV-Beraterprojekt und dem SV-Bildungswerk. Später wurden noch mehrere Runden "Werwolf", eine Art Rollenspiel gespielt. Um kurz nach 12 lagen alle in ihren Doppelstockbettchen und harrten dem, was noch kommen sollte.

2. Akt: Um kurz nach Sieben wurde geweckt und nach dem alle sich zwischen den vier Müslisorten und diversen Backwaren entschieden hatten, begann der "offizielle" Teil. Das Programm für die folgenden Tage und die Referenten wurden vorgestellt, verschiedenes, nützliches Material ausgeteilt und das "Koboldspiel" eingeführt. Dafür zogen alle einen grünen Zettel, aber nur auf dreien der 20 Zettel stand ein kleines "K" für Kobold. Diese konnten Nichtkobolde verzaubern, wenn sie mit unter vier Augen waren und sie nicht ihren Ordner mit Infomaterialien bei sich trugen. Dieser fungierte als eine Art Schutzschild und so kam es, dass man an diesem Wochenende sogar Leute sah, die mit ihrem Ordner auf die Toilette gingen. Wer tatsächlich verzaubert wurde, durfte bzw. musste am Samstagabend zum Unterhaltungsprogramm beitragen. Der Freitag war bis zum frühen Nachmittag mit dem Thema Rhetorik gefüllt. Hier sollten die TeilnehmerInnen einen kleinen Vortrag ausarbeiten und diesen präsentieren: So hatte jede und jeder die Möglichkeit sich auszuprobieren, in einem "geschützten Raum" Fehler zu machen und aus diesen zu lernen. Neben dem praktischen Teil "Rhetorik" ging es inhaltlich um die Geschichte, Struktur und Problemfelder von Schülervertretungsarbeit. Am späten Nachmittag beschäftigten sich die Teilnehmenden dann mit ihrer Traumschule: Hierbei malten alle ihre Vorstellungen von einer guten Schule und diskutierten diese dann in Kleingruppen. Am Tagesende sollte überlegt werden, wie einzelne Aspekte der Traumschule real umzusetzen sind. Abends ging es wieder lustig zu, denn es wurden geselliges Zusammensein praktiziert und ein weiteres Mal "Werwolf" gespielt.

3. Akt: Samstagmorgens waren nach einigem Kaffee und gutem Frühstück verschiedene Moderationstechniken an der Reihe. Das hieß: Wie funktioniert Moderation? Welche Aufgaben hat sie? Und warum hat ein Moderator eines SV-Beraterseminars nichts mit den Fernsehmoderatoren zu tun? Später wurde der genaue organisatorische Ablauf eines SV-Beraterseminars und die Struktur des SV-Bildungswerks erklärt und gleich praktisch am Beispiel geprobt: Die TeilnehmerInnen wurden in Tandems eingeteilt und bearbeiteten zusammen eine fiktiveSeminaranfrage, entwarfen ein Konzept und einen Zeitplan, planten somit das erste Mal ein SV-Beraterseminar. Die verschiedenen Konzepte wurden später vorgetragen und je eine einzelne Methode in einem Rollenspiel durchgespielt. So wurden Kartenabfragen, eine gespielte Schülervertretungssitzung und verschiedene Vorträge zu unterschiedlichen Themen geübt. Die Vorbereitung der Seminare konnte so gut und realistisch eingeübt werden. Am Abend durften die von den Kobolden Verzauberten eine kleine Vorführung geben: Pantomimisches Filmeraten, eine musikunterlegte Lesung und Improvisationstheater sorgten am letzten Abend für viel Spaß und Unterhaltung.
4.Akt: Am Sonntag sah man einigen TeilnehmerInnen die Anstrengungen bzw. die wenigen Schlafstunden durchaus an. Nach dem Frühstück wurden die Zimmer geräumt und einige Tipps für Weiterbildungen gegeben. Danach folgte eine intensive Reflektionsphase. Die Referenten bekamen genauso ein Feedback wie alle TeilnehmerInnen. Am Ende stand die feierliche Überreichung eines SV-Beraterzertifikats, der offiziellen Berechtigung SV-Beraterseminare durchzuführen. Nach und nach wurden alle frisch gebackenen SV-BeraterInnen zum Bahnhof gebracht und alle nahmen viel Wissen und schöne Erinnerungen mit.

Die Ausbildung ist vorbei: Was bleibt?

Shamail, 17, aus Velbert (Nordrhein-Westfalen) und Johanna, 15, aus Schwarmstedt (Niedersachsen), zwei der 16 neuen SV-BeraterInnen stehen Rede und Antwort im Kurzinterview.

Dreieinhalb Tage SV-Beraterausbildung liegen hinter euch: Wie fühlt ihr euch gerade?

Shamail: Müde. Ich fühle mich mental schon gut, aber merke, dass ich mich die letzten Tage angestrengt habe. Manchmal war es sogar anstrengender als Schule. Johanna: Ich fühle mich kaputt. Es ist eben anstrengender, weil man viel mehr lernt.

Mit welchen Erwartungen seid ihr nach Uelzen gekommen? Johanna: Das ich ganz viel über Rhetorik lerne und eine gute SV-Beraterin werde. Shamail: Das ich mit dem Wissen raus gehe, mit dem ich mich wohl fühle, ich meine SV unterstützen und helfen kann. Jetzt kann ich sagen, dass ich einiges gelernt habe zum Thema SV.

Euer erster Einsatz wird sicherlich nicht lange auf sich warten lassen: Fühlt ihr euch nun gut vorbereitet? Shamail: Also mit dem Ordner, den wir bekommen haben, fühl ich mich sehr gut. Da steht alles drin, was wir gemacht haben. Den kann ich als Leitfaden benutzen. Wir sind ja auch ziemlich intensiv geschult worden. Johanna: Ich denke auch dass ich durch den Ordner alles gut erarbeiten kann, mich gut vorbereiten kann.

Was hat euch nicht so gut gefallen und warum? Johanna: Die drei Tage waren ein bisschen zu kurz. Shamail: Es ist schwierig sich in diesem kurzen Zeitraum den ganzen Stoff einzuprägen. Es ist zwar nicht so toll, aber auch nicht ganz so schlimm. Aber es war halt wesentlich schwerer.

Knackig in drei Worten: Beschreibt doch mal die Ausbildung! Shamail: Produktiv, witzig, spannend Johanna: Spaßig, anstrengend, erlebnisreich!

Und: Wie geht’s jetzt weiter? Johanna: Erst mal schauen, wo man eine Weiterbildung machen kann, zu den Themen, die einen interessieren. Dann die ersten Seminare leiten. Shamail: Erst mal sacken lassen. Das, was man jetzt nicht weiß, kann man sich in den Weiterbildungen erarbeiten. Mit den anderen SV.Beratern und dem SV-Bildungswerk reden, Rückschlüsse ziehen und warten, bis man seine ersten Seminare geben kann.

Vielen Dank euch beiden und viel Spass bei euren ersten, eigenen Seminaren.

von Robert Stark

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