"Schule ist mehr als Unterricht"

01.10.2008: Ansgar ist SV-Berater aus Nordrhein-Westfalen. Im Interview mit dem SV-Bildungswerk erzählt er von sich, von seinen Erfahrungen als SV-Berater und warum es sich lohnt, Schule zu verändern.

Wann hast Du Dich entschieden, in der Schülervertretung aktiv zu werden?
Ich bin schon Ende der 5./Anfang der 6. Klasse in die SV gegangen. An meiner Schule setzt sich das SV-Team aus Freiwilligen zusammen, von daher brauchte ich zu dem Zeitpunkt auch kein Klassensprecher sein.

Was hat Dich dazu bewegt? Gab es Schlüsselerlebnisse, die Dir gezeigt haben, dass Du etwas verändern willst?

Damals hatte ich wahrscheinlich einfach zu viel Freizeit. Aus dem Grunde hatte ich mir auch überlegt, dass Schule doch eigentlich mehr sein müsste als Unterricht, der morgens um 7.45 Uhr anfängt und mittags um 13.05 Uhr wieder aufhört. Für 5.- und 6.-Klässler gab es zu dem Zeitpunkt auch nur 2 AGs, in denen ich auch schon war.

Wie sieht für Dich die ideale Schule aus?

Die ideale Schule nimmt Rücksicht auf den Biorhytmus der meisten Kinder und Jugendlichen; sie integriert alle, egal ob schnell oder langsam lernend, ob aus gutbürgerlichem Elternhause oder aus einem so genannten "sozialschwachen Umfeld"; in ihr herrscht ein freundliches Miteinander anstatt eines autoritären Regimes. Darüber hinaus ist sie natürlich ein Ort, an dem man sich gerne aufhält.

Wofür interessierst Du Dich?

Reisen (und schöne Orte bestaunen), gute Filme, Joggen und Radfahren, (Schul-) Politik, Umweltfreundlichkeit, die englische Sprache und andere Kulturen, Webdesign, ... und natürlich auch für SV-Arbeit!

Wie bist Du SV-Berater geworden?

Auf einem Seminar des SV-Bildungswerks habe ich vom SV-Berater-Projekt erfahren, und da entschieden, dass ich sowas auch gerne machen würde. Drei Monate später hätte ich dann fast den Anmeldeschluss für die SV-Berater-Ausbildung verpasst, glücklicherweise aber nur fast ;-) Die Ausbildung war dann in der Woche vor Ostern 2008, und in diesen fünf Tagen habe ich nicht nur alles erfahren und erprobt, was ein SV-Berater wissen und können muss, sondern auch eine Menge über mich selbst gelernt und natürlich viel, viel Spaß gehabt!

Warum findest Du es wichtig, Schule zu verändern?

Schule ist, so, wie sie jetzt ist, in vielen Fällen doof. Dabei verbringen wir Schülerinnen und Schüler einen erheblichen Teil unserer Lebenszeit dort, und anstatt die Doofheit jeden Tag zu ertragen, macht es da nicht mehr Sinn, etwas zu verändern, damit Schule weniger doof ist? Damit wir unsere Zeit an einem Ort verbringen, den wir selbst mitgestaltet haben und mögen?

Was macht Dir an der Tätigkeit als SV-Berater besonders Spaß?

An den Schulen auf die unterschiedlichsten, engagierten Leute zu treffen, die motiviert sind, ihre Schule zu verändern.

Ihr hattet vor kurzem einen Einsatz an der Integrierten Gesamtschule Paffrath, die eine Ganztagsschule ist. Warum haben sich die Schüler gewünscht, dass SV-Berater an ihre Schule kommen?

An der Schule lief die SV-Arbeit nicht so super: 2, 3 Leute haben die ganze Arbeit gemacht, der Rest kaum etwas, und entsprechend wenig ist auch dabei herumgekommen. Sie wollten, dass alles etwas strukturierter abläuft und sich mehr Menschen für die SV-Arbeit begeistern - deshalb haben sie uns bestellt.

Wer hat an diesem Einsatz teilgenommen?

20 Schülerinnen und Schüler, die aus (fast) allen Jahrgangsstufen kamen und das SV-Team bildeten. Ab und zu hat auch die SV-Verbindungslehrerin mal reingeschaut.

Wie ist der Einsatz konkret abgelaufen?

Angefangen haben wir mit einem Kennlernspiel, danach haben wir die Erwartungen an das Seminar geklärt: Jeder konnte äußern, was auf dem Seminar passieren soll und was nicht - wir SV-Berater stellten dann den Tagesablauf vor, den wir geplant hatten. Da fügten wir spontan noch zwei Themen hinzu, die den Schülerinnen und Schülern unter den Nägeln brannten.

Unser erstes Thema war Kopfnoten, dass die TeilnehmerInnen sich im Vorfeld gewünscht hatten - hier wurde diskutiert und überlegt, was man denn als Protestaktionen dazu machen könnte. Nach einer längeren Mittagspause ging es weiter damit herauszufinden, was an der Schule denn alles doof ist - und wie Schule eigentlich sein sollte. Daraus wurden dann nachher Projektideen, mit dem Ziel, konkret an der Schule etwas zu verändern.

Damit das mit den Projekten auch alles klappt, gab es zwischendrin einen Input zu Projektmanagement. Hier wurden verschiedene Methoden vorgestellt, mit denen man ein Projekt angehen kann. Zwischendurch gab es natürlich auch kleine Pausen und Spiele zur Auflockerung, und am Ende des Seminars gab es wie immer eine Feedbackrunde.

Was war Euer Ziel dieses Einsatzes?

Ziel war, ein bisschen mehr Organisation in die SV zu bringen und vor allem die Schülerinnen und Schüler zu motivieren, als SV mal eine Aktion durchzuführen!

Womit sind die Schüler am Ende des Tages nach Hause gegangen? Was denkst Du, welche Ergebnisse der Einsatz für die SV brachte?

Erschöpft vom vielen Arbeiten (und von den Spielen!) waren wir wohl alle am Ende des Seminars, aber ich glaube, dass jedeR einen Plan im Kopf hatte, wie es denn mit dem Projekt, an dem sie/er gearbeitet hatte, weitergeht. Ich glaube, wir als SV-Berater konnten eine Menge Motivation in das SV-Team bringen. Was ich nach unserem Seminar von der SV gehört habe, war auch sehr positiv: Sie sagten, jetzt würde es in ihrer SV besser laufen, und sie haben auch schon erfolgreich eine Protestaktion zu Kopfnoten durchgeführt!

Welchen Tipp hast Du für Schüler, die mit ihrer Schule unzufrieden sind?

1. Suche dir Leute, die genauso unzufrieden sind wie du, und motiviert, etwas daran zu ändern

2. Geht zu eurer SV oder der / dem SchülerInnensprecherIn und redet darüber, versucht auch die Leute zu überzeugen

3. Startet gemeinsam ein Projekt, um die Zustände zu ändern

4. Wenn du Hilfe brauchst, wende dich doch einfach an das SV-Bildungswerk, wir können dir bestimmt weitere Tipps geben

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