Le monde est absurde
02.04.2009: Wir sind ein Französischkurs der Jahrgangsstufe 13 der Julius-Wegeler Schule. in Koblenz. Teilweise sind wir Anfänger mit 2 1/2 Jahren Französischerfahrung sowie Fortgeschrittene mit bis zu 6 1/2 Jahren Erfahrung. Wir machen ein Theaterprojekt im Französischunterricht und in unserer Freizeit. Das Stück besteht aus einer Rahmenhandlung in einem Kabarette und einzelnen Szenen die darin eingebettet sind. Die Arbeit findet größtenteils in Kleingruppen statt und wird von verschiedenen Lehrern fachübergreifend betreut.
Welche Leute sind daran beteiligt und wie geschieht das?
Voranging ist unser Kurs und die Lehrer daran beteiligt, sollte es aber erfolgreich sein, wird das Projekt zukünftig auch in anderen Klassen erprobt.
Was sind die Ziele eures Projekts?
Das Ziel ist es unsere Aussprache zu verbessern und unseren Wortschatz zu vergrößern. Teamfähigkeit, Projektmanagement, Zeitplanung usw. sind ebenfalls Ziele. Und natürlich wollen wir ein schönes Theaterstück auf die Beine stellen.
Genaueres zum Projekt:
Am Anfang unseres Projekts stand die Idee, den Unterricht aktiver und kreativer gestalten zu wollen. Gleichzeitig sollte das Sprechen der französischen Sprache im Mittelpunkt der Arbeit stehen.
Da wir im Jahr zuvor das Fach "Darstellendes Spiel" hatten, das uns viel Spaß gemacht hat und zu unserer Persönlichkeitsentwicklung beigetragen hat, wollten wir gerne wieder Theater spielen. Theaterspielen fördert einerseits das Sprechen und ermöglicht andererseits eine andere Art des Arbeitens und Lernens. Unsere Lehrerin Frau Wein-Miller, die auch früher schon viel künstlerisch an Waldorfschulen gearbeitet hat, war sehr offen für unsere Ideen. Zunächst mussten wir uns gemeinsam mit ihr überlegen, wie wir die Projektarbeit gestalten wollen und wie wir es schaffen, neben der Projektarbeit Wortschatz und Grammatik aufzubauen, um Stoff für eine Arbeit zu haben. Neben langen freien Arbeitsphasen in Kleingruppen für das Theaterprojekt wurden kurze, intensive Frontalunterrichtsphasen geplant, in denen Wissen vermittelt wurde, das wir dann zu Hause vertiefen sollten.
In den Kleingruppen für das Theaterprojekt sind SchülerInnen mit viel und wenig Französischkenntnissen gemischt, sodass sie sich gegenseitig bei der Aussprache verbessern konnten. Frau Wein-Miller hat sich dann mit den Kleingruppen zusammengesetzt und mit ihnen geeignete, kurze Theaterstücke, Gedichte oder Sketche gesucht, die gut szenisch umzusetzen sind. Manchen Gruppen hat sie auch geholfen, eigene Ideen in Texte umzusetzen oder ihnen sogar Texte auf den Leib geschrieben. Langsam entwickelte sich die Idee, die einzelnen Szenen unter einem Überbau zu verbinden. Die einzelnen Szenen sollten in eine Rahmenhandlung eingebettet werden. Am Anfang sollte eine Szene stehen, die in einen Kabarett stattfindet. In diesem Kabarett sollten dann die anderen Szenen spielen. Gleichzeitig sollten am Rande und zwischen den Stücken kurze schauspielerische Einschübe sein, bei denen das Publikum aktiv angesprochen werden soll. Dadurch soll das Ganze aufgelockert werden und das Publikum irritiert werden. So läuft zwischen den Szenen ein Blumenverkäufer durch die Reihen und versucht auf französisch seine Rosen zu horrenden Preisen zu verkaufen. Eine ältere Dame fragt alle Zuschauer, wo ihre Brille ist, die sie auf der Nase hat und eine Kellnerin bringt den Zuschauern auf Wunsch Getränke, um sie anschließend in einen Streit um das Trinkgeld zu verwickeln. Das Ganze gibt dem Stück einen spontanenMoment und ist eine große Herausforderung für uns SchülerInnen, weil es Fähigkeiten über das auswendig Gelernte hinaus voraussetzt, auf die Reaktionen des Publikums einzugehen.
Das ganze Konzept läuft auf Theater im Theater hinaus. Die Grenzen zwischen Realität und Theater sollen bewusst verwischt werden. Daher auch der Titel "Le Monde est absurd" (Die Welt ist verrückt), die Verrücktheit der Theaterelemente in Kombination, die das Publikum direkt ansprechen, sollen das Auge für die verrückten Momente im Alltag schärfen. Im Gegensatz zu dem bekannten "Ich-glaub-ich-bin-im-falschen-Film"-Gefühl, wenn man sich fragt: "Ist das jetzt wirklich real, oder wo ist die versteckte Kamera?", sollen die Zuschauer das Gefühl bekommen: "Ist das jetzt noch Theater, ist das noch gewollt, oder ist es gerade schon wieder real?". Das Aufteilen der Klasse in Kleingruppen, die verschiedene Szenen selbständig gestalten und proben, hatte außerdem den Vorteil, dass sich Gruppen auch schon mal eher in einer Freistunde oder in der Freizeit zu Proben treffen konnten. Viele Ideen entstanden erst aus dem Spiel heraus. Immer wieder haben wir Dinge auf unterschiedliche Art versucht, während andere Kleingruppen zusahen und uns Rückmeldung über die Wirkung gaben. In den offiziellen Schulstunden haben wir dann immer wieder geguckt, ob die Gesamtwirkung stimmig ist, wie weit die einzelnen Gruppen sind, und wo noch Verbesserungsbedarf besteht.
Leider standen uns zu Beginn unserer Arbeit keine Gelder zur Verfügung. Wir haben wirklich nur mit Dingen, die wir in den Klassenräumen vorgefunden haben und sehr wenigen Requisiten, die wir von zu Hause mitgebracht hatten, gearbeitet. Teilweise konnten wir deshalb unsere Ideen nicht umsetzten. Wir arbeiten zwar immer noch mit sehr wenigen Requisiten, mehr im Stil von armem Theater; durch die Förderung von "Schule Verändern" konnten wir allerdings jene Requisiten, die für das Spiel essentiell waren, anschaffen. Das hat dazu beigetragen, dass sich die Wirkung unseres Stücks sehr verbessert hat und uns sehr viel Motivation und neue Kreativität gegeben. Außerdem konnten wir von den Geldern Jalousien anschaffen, die es uns ermöglichten, Lichteffekte einzubauen und gezielt durch Licht eine bestimmte Stimmung zu schaffen. Die Möglichkeit gezielt punktuell zu beleuchten oder Schwarzlicht zu verwenden, eröffnet völlig neue Perspektiven der Darstellung. Wie sich herausstellen sollte, bietet Schwarzlichttheater eine wunderbare Möglichkeit Gedichte darzustellen und Inhalte in einer Fremdsprache auch für Zuschauer mit geringeren Sprachkenntnissen verständlich darzustellen.
Insgesamt waren die relativ hohen Fremdsprachenkenntnisse, die man braucht, um Theaterstücke verstehen und damit auch spielen zu können, sowieso die große Herausforderung bei unserem Projekt. Es ist sehr schwierig, etwas glaubhaft zu spielen, wenn man sich in einer Sprache noch nicht sehr sicher fühlt. Das freie Sprechen vor Publikum und der Ausdruck der zum Text und der Rolle passenden Gefühle verlangt bereits bei einer Muttersprache viel Überwindung und Übung; in einer Fremdsprache, die man erst seit 2 Jahren lernt, ist es sehr, sehr schwierig. Durch viel Übung auch außerhalb des Unterrichts und dem großen privaten Einsatz unserer Lehrerin, die auch in Freistunden mit uns geübt hat und selbst viel Freizeit in das Projekt gesteckt hat, ist es uns allerdings gelungen, selbst eine gewisse Sicherheit zu erlangen und gemeinsam ein schönes Theaterstück auf die Beine zu stellen. Ohne "Schule Verändern" wären wir nie so weit gekommen, das Stück vor Publikum aufführen zu können.
Durch die sehr selbständige Arbeit, das weitgehend eigenverantwortliche Organisieren der Rahmenbedingungen und die intensive Auseinandersetzung mit uns selbst in der Auseinandersetzung mit unserer Rolle, hatten wir auch die Möglichkeit uns persönlich weiter zu entwickeln. Jeder hatte die Möglichkeit sich mit seinen eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten einzubringen. Dadurch hat das Stück viel gewonnen, aber auch wir durften die Erfahrung machen, dass wir alle etwas zu Geben haben und auf unsere eigene Weise für das Stück wert voll waren. Es haben beispielsweise SchülerInnen Gitarre gespielt, gesungen, Kulissen gemalt, Requisiten gebastelt, den Raum dekoriert, die Scheinwerfer und die Technik bedient, Theater gespielt, anderen bei der Aussprache geholfen, andere geschminkt, getanzt, usw. In der Zeit der Proben sind wir immer stärker zu einem Team zusammengewachsen und haben gelernt, zusammen zu arbeiten uns gegenseitig einzuschätzen und zu unterstützen. Insgesamt hat die Projektarbeit das Klima in unserer Stufe sehr positiv beeinflusst, weil wir auch mit Menschen, mit denen wir zuvor nicht so viel zu tun hatten, auf einmal sehr intensiv zusammen gearbeitet und einen großen Teil unserer Freizeit verbracht haben.
Auch unser Wortschatz und unsere Aussprache haben sich durch das Auswendiglernen der Texte stark verbessert und die Hemmung, überhaupt zu reden, haben wir alle fast vollständig verloren. Obwohl wir gerade im Bereich der Aussprache noch viel Verbesserungspotential haben. Wir sind mit dem Stück gewachsen, das von einer Idee, den Unterricht schöner und anders zu gestalten zu einem tollen Theaterstück geworden ist, das wir am Tag der offenen Tür unserer Schule aufführen werden.
Das Wissen an der Entstehung von etwas so Schönem beteiligt gewesen zu sein und zu sehen, wie man andere Menschen zum Lachen und zum Nachdenken bringen kann, ist eine wunderbare Erfahrung, die ich jedem Schüler wünsche. Unser Projekt hat uns klar gezeigt, dass Schule nicht langweilig, mühsam und unschöpferisch sein muss, um Wissen zu vermitteln, sondern dass man auch spielerisch durch aktives Arbeiten und ohne es zu bemerken sehr viel lernen kann. Deshalb können wir andern SchülerInnen nur empfehlen, sich für Veränderungen in ihrem Unterricht einzusetzen und zu versuchen, Theaterspielen und Projektarbeit auszuprobieren.