Mitten drin statt außen vor: Migration macht Schule!
07.04.2008: Berlin 4. - 6. April 2008 Ein Bericht des Teilnehmers Kristjan Mikk
Ist Deutschland Weltmeister mit dem größtem Ausländer- und Migrationsanteil der Welt?
Nein, das wohl nicht. Trotzdem gibt es sie: 9 % aller Deutschen haben einen Ausländischen Pass, weitere 10% haben einen Migrationshintergrund. Das sind fast 20% aller in Deutschland lebenden Menschen. Aber was kann man dazu in Bezug zu Schule sagen? Wir trafen uns zu dem Thema in Berlin vom 4.-6. April 2008. JedeR kam mit seinen eigenen Erwartungen und Ideen zu diesem Seminar und alle erhofften sich vieles zu lernen, aber auch Anregungen für Projekte zu bekommen, die man in der Schule, in der Stadtschülervertretung oder Landesschülervertretung umsetzen wollte. Gestartet haben wir am Samstagvormittag mit einem sehr anschaulichem Experiment zum Thema " Reichtum in der Welt" unter der Leitung von Jessica Eitelberg. Dabei sollten wir uns zu erst mit unseren Stühlen quer im Zimmer nach Bevölkerungsanzahl auf den Kontinenten (natürlich waren in Asien und Afrika die meisten Leute- Europa war ganz alleine mit einem Bürger) verteilen. Daraufhin sollten wir uns überlegen wie viel Reichtum es auf die Länder verteilt gibt… Plötzlich mussten 7 Afrikaner auf einem einzigen Stuhl Platz finden, Europa hatte seine Mühe sich auf alle 6 Stühle auszubreiten! Ein sehr anschauliches Experiment, in dem wir die Welt einschätzen mussten und auf so manche erschreckende Überraschung gestoßen sind. Danach bekamen wir einen Input zu Entwicklung der Ausländerintegration in Deutschland. Dazu gab es eine Zeittafel, auf der veranschaulicht wurde, wie sich die Lage von 1960 bis 2008 verändert hat. Eine sehr beunruhigende Tendenz zeichnete sich die letzten Jahrzehnte ab: Deutschland war immerhin auf die große Hilfe der Ausländer stark angewiesen und ohne sie wäre das Wirtschaftswunder niemals möglich gewesen. Wir erkannten, dass das Problem die fehlende und katastrophale Integrationspolitik der letzten Jahre ist. Das spiegelt sich dramatisch in der Schule wieder: 19,2 Prozent der ausländischen Schüler besuchen die Hauptschule, 13,8 Integrierte Gesamtschulen, 7,7 Prozent Realschulen. Nur 4,3 Prozent lernen in Gymnasien. Das waren nur einige der vielen Zahlen und harten Fakten, die wir erst mal zu verdauen hatten. Der zweite Block wurde von Andrea Vorrink (Bildungswerkstatt Migration und Gesellschaft e.V.) moderiert. Dabei ging es um konkrete Möglichkeiten, Integration in Schule umzusetzen. Außerdem bereitete sie eine Präsentation zum Thema " Diversity" vor, d.h. Vielfalt, Diversität, Heterogenität, Vielheit oder Verschiedenartigkeit. Ziel von Diversity ist die Reflexion, Wahrnehmung, Wertschätzung und Anerkennung von menschlicher Vielfältigkeit (wie z.B. Alter, Herkunft, Geschlecht, Behinderung, sexueller Identität, Religion) in den unterschiedlichsten Arbeits- und Lebenskontexten. Mit dieser Grundlage hatten wir die Möglichkeit über eigene Projekte zu diesem Thema in der SV-Arbeit nachzudenken und in Eigenregie zu entwickeln.
Sonntag konnten wir dann mit viel Pizza im Bauch, viel Hintergrundwissen im Kopf und vielen Ideen im Gepäck wieder abreisen. Alle waren sich am Ende einig: Das Thema braucht mehr Zeit und wir hätten mehr Zeit gebraucht uns über konkrete Ziele und Projekte in der eigenen Schule Gedanken zu machen. Daraus entstand auch die Idee, in naher Zukunft ein Nachfolgeseminar zum gleichen Thema zu veranstalten. Ich freue mich schon darauf.
Danke für das tolle Wochenende in der Hauptstadt.